Elias Lönnrot:
Der Wanderer. (1828, EA 1902)

»Um sein Gedächtnis zu erleichtern, fand ich es nicht unzweckmäßig, seine Denkorgane mit einem bißchen Branntwein zu schmieren.«

Dieses Buch wollte ich schon lange mal lesen! Bisher nämlich eins der wenigen ungelesenen Exemplare in meinem Regal ... Geschrieben vom Sammler/ Verfasser des Kalevala-Epos, lebt dieses Stück Reiseliteratur allerdings nicht von Superlativen. Gemächlich, beinahe ohne besondere Vorkommnisse, wandert der Wanderer dahin, und so gemächlich, beinahe ohne Spannungsbogen, fließt auch die Erzählung. Unterwegs auf der Suche nach finnischer Volkspoesie, notiert er ausführlich Beobachtungen über dichtendes Landvolk, Festtagsbräuche, Anekdoten und Sprichwörter. Ehrlich gesagt: man muss sich schon ziemlich für den Südosten Finnlands interessieren, um bis zum Schluß zu lesen – am besten schon dagewesen sein. Eine gewisse Kenntnis des Finnischen ist von Vorteil, um die originalsprachlichen Einsprengsel genießen zu können. Der lakonische Stil und der trockene Humor wiederum, die auch sehr finnisch sind, sprechen für sich.

Kurz und gut: Lektüre für Eingeweihte. Dann aber eine echte Fundgrube.

Elias Lönnrot: Der Wanderer. Verlag Sammlung Dieterich, Leipzig 1991

(Sünne Burmeister, 2003)

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