Fjodor M. Dostojewski:
Schuld und Sühne. (1866)

Der junge Student Rodin (»Rodja«) Raskolnikow tötet seine Pfandleiherin und deren Schwester; er erschlägt beide mit dem Beil.

Wie kommt es dazu, dass ein junger, intelligenter Mann wie Rodin, alles andere als ein Unmensch, zu so einer Tat fähig ist?

Der Leser bemerkt, dass Rodins psychische Verfassung eine große Rolle spielt. Seit Wochen wird er von Fieber und Wahnvorstellungen geplagt. Zudem hat er erfahren, dass seine geliebte Schwester einen Mann, den sie nicht liebt, heiraten will, nur um ihn und seine verarmte Mutter zu versorgen. Rodin beschäftigt sich außerdem mit der Theorie, dass es zwei verschiedene Arten von Menschen zu geben scheint. Auf der einen Seite gibt es da seiner Meinung nach das »Material«, die Lebensunwerten und auf der anderen Seite die »Auserwählten«, diejenigen, die die Welt verändern können und die mit dem Ziel der Verbesserung sich auch über moralische Grenzen wie das Morden hinwegsetzen dürfen. Für einen Auserwählten hält sich auch Rodin vor seiner Tat, oft vergleicht er sein Schicksal mit dem Napoleons.

Doch nach begangener Tat wird Rodin von schweren Gewissensbissen geplagt. Hatte er tatsächlich das Recht aus eigenem Gerechtigkeitssinn zu töten? Er wirkt auf seine Mitmenschen verändert, kapselt sich ab und wird von seiner Seele, seinem Gewissen, geplagt.

Der Leser lernt nun die vielen Menschen um Rodin kennen. Da ist der Säufer mit seiner Familie, der beste Freund Rodins, der gehasste Verlobte der Schwester und der Polizeiinspekteur, der Rodin schließlich dazu bringt, seine Motive offen zu legen um sich selber anzuklagen. Der Inspekteur ist es auch, der Rodin auf gewisse Weise versteht, teilt er doch ähnliche Ansichten.

Rodin beschließt, sein Herz zu erleichtern und vertraut sich Sonja, der Tochter des Säufers an. Beide verlieben sich ineinander.

Schließlich stellt sich Rodin und geht mit Sonja zusammen in das Straflager nach Sibirien. Er sieht ein, dass zumindest er kein Auserwählter ist, hat er doch all dem seelischen Druck nicht standhalten können. Rodin ist ein Mensch, der fähig ist, Liebe und Leid zu fühlen. Durch Sonja erlernt er das Menschsein wieder und setzte sich mit dem Gedanken der Vergebung durch Gott auseinander (... und dass es lt. Dostojewski einen Gott gibt!)

Mir persönlich hat das Buch sehr gefallen! Ein psychologischer Krimi, der in einer wunderbaren Atmosphäre des dunklen, verarmten Sankt Petersburg vor 140 Jahren spielt. Ein bisschen verwirrend und erschwerend sind – wie bei so vielen russischen Autoren – das ewige Vermischen von Vor-/Nach- und Kosenamen (Bsp.: Rodin, Rodion, Raskolnikow, Rodja etc.). Außerdem ist man stolz, wenn man es dann tatsächlich durchgelesen hat (ca. 800 Seiten)!

Ich habe die Neuübersetzung Verbrechen und Strafe von Swetlana Geier (insel, 1994) gelesen.

(Gesa Fritsche, 2003)

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