Dieses Buch wird in Form von Briefen (an Gott und ihre Schwester) aus der Sicht einer schwarzen Amerikanerin erzählt. Es ist ein Dokument des Elends, zugleich aber auch ein Zeugnis weiblicher Solidarität, Stärke und Überlebenskraft:
Es beschreibt ca. 50 Jahre aus Celies Leben, in denen ihr wenig Gutes wiederfährt: als Kind wird sie von dem Mann, den sie Vater nennt, vergewaltigt und geschwängert, ihre Mutter stirbt ... Celie wird ungefragt mit einem fremden schwarzen Mann verheiratet, der eigentlich an ihrer Schwester interessiert war, entkommt aber so wenigstens ihrem väterlichen Peiniger ...
Jedoch wird sie in ihrer neuen »Familie« nicht gerade freundlich aufgenommen, sie ist für ihren Mann nur Haushälterin und Kinderfrau, ohne jedoch dafür in irgendeiner Form belohnt zu werden ... Nebenbei muss sie neben Schlägen auch noch die Pflichten einer Ehefrau im Bett ihres Mannes über sich ergehen lassen ...
Celie findet erst zu sich selbst, und damit zu einem besseren Leben, als sie Shug Avery, schwarze Sängerin und Ex-Lebensgefährtin ihres Mannes, kennenlernt. Endlich gelingt es ihr, Selbstbewusstsein zu erlangen und eine eigene Existenz aufzubauen ... auch ihre lang vermisste Schwester und ihre Kinder darf sie am Ende des Buches wiedertreffen.
Was mir neu war, ist, dass es in diesem Buch nicht, wie erwartet, um den Rassenkonflikt der Weißen gegen die Schwarzen geht, sondern dass sich hier mit dem Stand der (schwarzen) Frau in Familie und Umfeld beschäftigt wird, was jedoch anscheinend nicht weniger grausam gewesen sein muss ...
Das Buch fesselte mich auch aufgrund der authentisch erscheinenden Briefe, die im Soziolekt der Hauptfigur geschrieben wurden und in denen diese kein Blatt vor den Mund nimmt.
(Janine Jürgensen, 2003)