Truman Capote:
Die Grasharfe

Die Grasharfe ist eines meiner Lieblingsbücher, weil es so liebenswert geschrieben ist. Es erzählt in ganz leisen Tönen die Geschichte von ein paar Außenseitern, die in einem der amerikanischen Südstaaten leben.

Der Waisenjunge Collin Fenwick kommt zu den beiden unverheirateten ältlichen Kusinen seines Vaters, Dolly und Verena Talbo. Während Verena geschäftstüchtig und resolut mitten im Leben steht, ist Dolly verträumt und weltfremd und wird von ihrer Schwester unterdrückt. Collin freundet sich sofort mit Dolly und der Hausangestellten Catherine Creek an. Das Leben verläuft weitgehend harmonisch bis Verena versucht aus Dollys einzigem Talent Profit zu schlagen. Dolly hat eine geheime Kräutermedizin entwickelt und als Verena sie zwingen will das Rezept herauszugeben um mit Hilfe eines dubiosen Doktors die Medizin zu vermarkten, kommt es zum Eklat. Dolly, Catherine und Collin beschließen, in einem Baumhaus im Wald zu wohnen, frei von allen Zwängen. Dieses Vorhaben spricht sich schnell herum und bringt die Spießbürger auf die Barrikaden. Es gesellen sich allerdings auch der alte Richter Coole, der vor seinem Beruf und seinen Kindern flüchtet, sowie der Mädchenschwarm Riley Henderson zu ihnen.

Die Idylle hält währt allerdings nicht lange, denn Dolly ist dem Druck nicht gewachsen, wird krank und kehrt in das Haus ihrer Schwester zurück. Sie stirbt schließlich und gewinnt so doch noch ihre Freiheit.

Wenn man über ein Buch sagen kann, dass es wunderschön ist, dann über dieses.

»Es war, als ob keiner von uns sich dessen bewusst war, wohin wir gingen. Mit stillem Staunen überblickten wir das Land vom Friedhofshügel aus, und Arm in Arm stiegen wir hinab zu dem sommerverbrannten, herbstlodernden Grasfeld. Ein Wasserfall von Farben stürzte durch die trockenen, sausenden Halme. Und da wünschte ich mir, dass der Richter hören sollte, was Dolly mir einst erzählt hatte: Das Feld war eine Grasharfe, die alles bewahrte, die alles erzählte, die Harfe der Stimmen, die uns eine Geschichte ins Gedächtnis zurückrief. Wir lauschten.«

(Annika Keiluweit, 2003)


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