Der Untertitel des Buches lautet: Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen und so ist es auch tatsächlich. Capote legt hier einen Tatsachenroman vor, von ihm selbst recherchiert und aufgeschrieben.
An einem Abend im November 1959 dringen die beiden ehemaligen Häftlinge Perry Smith und Richard »Dick« Hickock in die abgelegene Farm der Familie Clutter in Holcomb, Kansas ein. Sie sind auf der Suche nach Geld, um sich nach Mexiko abzusetzen. Bei den Clutters handelt es sich um wohlhabende Leute. Als die beiden allerdings keinen Safe finden, wecken sie die Familie. Nach geringer Ausbeute (40 Dollar!!) wird die vierköpfige Familie gefesselt und auf grausame Weise umgebracht.
Der kleine Ort lebt nach dieser Schreckenstat in ständiger Angst. Der oder die Mörder könnten schließlich mitten unter ihnen leben!
Inzwischen sind die beiden Täter auf ihrem Weg nach Mexiko. Mit kleinen Diebstählen und Scheckbetrug halten sie sich über Wasser. Als Mexiko sich nicht als das erhoffte Aussteiger-Domizil entpuppt, machen sie sich auf den Rückweg. Auch wieder durch Kansas. In Las Vegas werden sie nach einigen Wochen Flucht gefasst und vor Gericht gebracht. 1965, fünf Jahre nach begangener Tat, werden Dick und Perry nach Jahren in der Todeszelle gehängt.
Ich persönlich würde Kaltblütig als Krimi der Spitzenklasse bezeichnen. Am Anfang des Buches wird dem Leser die allseits beliebte Clutter-Familie vorgestellt, die dann, völlig unerwartet und bestialisch, ermordet wird. Dann die Flucht der beiden Täter nach Mexiko und zurück. Es wird beschrieben, wie verschieden sie doch sind, aus welchen sozialen Verhältnissen sie stammen und wie sie eine solche Tat überhaupt begehen konnten. Schließlich der jahrelange Gefängnisaufenthalt, neue Verhandlungen, gegenseitige Verrate und am Ende ihr unausweichlicher Tod durch den Strick. Ein sehr psychologischer Bericht, ich hatte – wie immer – Mitleid mit den Tätern (zumindest mit Perry).
Durch Capotes Gespräche mit Einwohnern des Ortes, Polizisten, Anwälten und natürlich den beiden Tätern selbst ist das Buch sehr abwechslungsreich gegliedert, besonders die szenischen Sprünge von den Tätern auf der Flucht und der Suche der Polizei.
(Gesa Fritsche, 2003)