Farm der Tiere erzählt die Geschichte vom erfolgreichen Aufstand der Tiere einer Farm gegen ihren Herren. Die neue Gesellschaft, in der eigentlich die Prinzipien des »Animalismus« – Freihit, Gleichheit, Brüderlichkeit – gelten sollten, verwandelt sich aber allmählich in eine Diktatur der Schweine, die sich aufgrund ihrer Intelligenz zu selbst ernannten Führern aufschwingen. Am Ende haben die Tiere also nur den Ausbeuter gewechselt, an ihrem trostlosen, harten, mühevollen Leben hat sich allerdings nichts geändert.
Dieser Text hat mich ganz besonders wegen seines historischen Hintergrundes fasziniert. Orwell verdeutlicht auf hintergründig-ironisch-bissige Art, dass die Ideen des Sozialismus, wie Marx sie verfolgte, durchaus vorteilhaft für eine Gemeinschaft sind, ihre erfolgreiche Verwirklichung allerdings leider bis jetzt stets an der Selbstsucht, Hab- und Machtgier der Entscheidungsträger gescheitert ist.
(Ulrike Wenskat, 2003)Auf einer Farm endet der Aufstand der Tiere gegen den Bauern mit der anschließenden Schweineherrschaft. Die eigentliche Revolution schlägt fehl, die Tiere unterdrücken sich jetzt untereinander. Im Prinzip ist der ursprüngliche Zustand wieder erreicht. Für alle Tiere werden Gebote postuliert, jedoch bald umgedeutet. Arbeitende Tiere werden auf einem niedrigen Bildungsstand gehalten, um sie besser manipulieren zu können.
Animal Farm ist eines der größten gesellschaftskritischen Werke des 20. Jahrhunderts. Der Satz »Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere« wurde zum geflügelten Wort. George Orwell verstand sein 1945 entstandenes Werk als eine Parabel auf die Russische Revolution. Es ist eine anti-stalinistische Satire, um die englische Öffentlichkeit aufzuklären. Sie erklärt das Diktatorenwesen und die Aus wüchse eines Massenstaates beispielhaft an einer Fabel.
Orwell war der Meinung, dass Revolutionen nur eine Verschiebung der Macht erwirken, daß die Grundstruktur der Gesellschaft aber immer die gleiche bleibe. Animal Farm sollte also mehr sein, als nur eine Satire auf die kommunistische Revolution in Sowjetrußland. Mit ein bisschen geschichtlichem Vorwissen wird man schnell die Figuren Marx, Stalin, Trotzki, Hitler oder des Zaren entlarven. Auch andere Ereignisse wie die beiden Weltkriege sind zu identifizieren.
Animal Farm wird oft durch seine recht klare, einfache Sprache und die Eigentliche Tiergeschichte als Kinderbuch angesehen und wurde nicht zuletzt dadurch 1955 als Zeichentrick verfilmt. Sicherlich ist es auch gut geeignet, um Jugendlichen die Geschichte einer gescheiterten Revolution Russlands beizubringen. Doch sollten meiner Meinung nach eher Erwachsene dieses Buch lesen, da es Jugendlichen, denke ich, zu schwer fällt, den Kontext zu begreifen und sie oft nur die grausame Oberflächengeschichte sehen. – Zumindest ging es mir als Kind so, als ich den Film sah.
(Linda Seidel, 2003)