Joseph Conrad:
Herz der Finsternis (1926)

In einer ruhigen Nacht auf der Themse erzählt der alte Kapitän Marlow seiner Mannschaft die Geschichte seiner vergangenen Fahrt auf dem Kongo. Als junger Kapitän fuhr er im Auftrag einer belgischen Handelsgesellschaft den Kongo im »schwarzen Kontinent« hinauf. Es ist die Zeit des Kolonialismus und für Marlow wird es eine Fahr in sein Innerstes. Während Aufenthalten in verschiedenen Stationen, zu denen er und seine Mannschaft gelangen, sieht er mit eigenen Augen die Ausbeutung, brutale Misshandlung und Mord an den Schwarzen, als unwürdige Arbeiter ausgenutzt. Immer wieder hört Marlow einen bestimmten Namen fallen. Den Namen »Kurtz«. Kurtz soll der erfolgreichste Agent sein, was die Beschaffung von Elfenbein betrifft. Seine Station liegt tief im Inneren des Kongos. Er soll eine dämonische Ausstrahlung haben und er regiert angeblich einen ganzen Stamm Wilder, die sich ihm willenlos untergeben. Marlow ist fasziniert von diesem Mann, den er nie zu Gesicht bekommen hat und die Fahrt wird für ihn mehr und mehr zu einer Fahrt zu Kurtz.

Nach einer schweren Fahr auf dem Kongo erreicht das Boot schließlich das »Reich« Kurtz’. Alles wirkt böse und dunkel dort. Sofort erkennt Marlow, dass sich Kurtz, das Phantom, wie er ihn bezeichnet, ein Reich des Schreckens aufgebaut hat. Er schreckt weder vor Misshandlung noch Mord zurück, geleitet von seinen niedersten Instinkten. Marlow hat dennoch das Gefühl, Kurtz sei sein eigener dämonischer Widerpart. Eines steht für Marlow fest: dieser Mann ist hier im innersten des Dschungels wahnsinnig geworden. Aber was hat ihn so weit gebracht, den Verstand zu verlieren? Der Kontaktverlust zur Zivilisation in der Wildnis? Das Leben tief im »Herzen der Finsternis«? Die Gewalt durch den Kolonialismus oder das Gefühl, ein totalitärer Herrscher mit Hunderten von Ergebenen zu sein? Diese Fragen quälen Marlow und der beschließt, den kranken Kurtz mit sich zu nehmen.

Kurtz stirbt noch auf der Rückfahrt, seine letzten Worte sind »Das Grauen!« Ein Eingeständnis für seine Schuld und ein Aufruf an die »Mächte im Herzen der Finsternis«. Marlow kehrt nach dieser Fahrt nach England zurück.

Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Conrad verwendet zahlreiche Symbole, z. B. »Schlange« als Bezeichnung für den Kongo, »Grauen«, »Dämonen« und natürlich »Finsternis« als zentrales Gefühl während der ganzen Fahrt entlang des Flusses. Der Leser fühlt durch Marlows’ Schilderungen, wie einsam und finster die Fahrt gewesen sein muss. Man fühlt, wie der Kapitän von seinen seelischen Auseinandersetzungen gequält wird. Kurtz selbst bleibt während der gesamten Handlung ein Phantom, der nur durch Marlow selber ein Gesicht bekommt. Ein Buch verbreitet eine absolut düstere Stimmung, gibt aber Denkanstösse, wie weit jeder einzelne durch sich selber getrieben werden kann. Bekanntestes Zitat des Buches: »Wir leben, wie wir träumen. Allein.«

Mein Tipp: Unbedingt den Film Apocalypse Now’ angucken! Conrads Handlung der Fahrt auf dem Kongo wurde von F.F.Coppola auf eine Flussfahrt amerikanischer Soldaten während des Vietnamkrieges übertragen. Dann wird man vielleicht das Buch etwas leichter lesen & verstehen.

Unbedingt lesenswert!

(Gesa Fritsche, 2003)

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