Großes Ehedrama: alter reicher Mann hat junge Ausländerin (nämlich Indiana) aus den Kolonien geehelicht. Es erscheint der junge, schöne, aber skrupellose Liebhaber, der sie wiederholt zum Narren hält. Wer nun ein böses Ende nahen sieht, hat zum Glück den edlen Freund aus Kindertagen übersehen, der gerade noch rechtzeitig vor dem gemeinsamen Selbstmord seine ewige Liebe bekennt.
Dies ist wahrlich Stoff, aus dem Tragödien gemacht sind. Die Liebe nimmt ab, die Liebe nimmt zu, die Freundschaft, die Tugend und der Reichtum ebenso (aber es gibt immer noch ein Haus auf den Westindies). Man fällt von einer Ohnmacht in die andere. Was die Liebesaffäre selbst angeht, kommt man nicht recht auf seine Kosten. Indiana ist zwar naiv, aber einfach zu tugendhaft.
Ohne weiter auf den Skandalfaktor George Sand selber einzugehen: hier ist sie immer für eine Belehrung gut. Darauf muß man sich erstmal einlassen. Kurzurteil: Aus heutiger Sicht reichlich überspannt. Am Schluß ist man ganz geläutert angesichts all der reinen Herzen.
George Sand: Indiana. Insel Taschenbuch, 1983
(Sünne Burmeister, 2003)