Aristophanes: Lysistrata

Übersetzt und an einigen Stellen sehr frei bearbeitet von Erich Fried
Wagenbach 2000

Krieg oder Liebe. Vor diese Wahl stellt Lysistrata die Männer Athens. Und Krieg herrscht auch als Aristophanes seine pazifistische Komödie verfasst (411 v. Chr.). Der Peloponnesische Krieg entspricht – gemessen an damaligen geographischen Kenntnissen – dem eines Weltkrieges. Aristophanes sinnt in seinem Stück darüber, wie nun die Kriegsparteien Athen und Sparta zum Frieden zu bewegen seien.

Seine Heldin Lysistrata ruft ihre Geschlechtsgenossinnen zum Liebesstreik auf. Und nicht nur die Frauen Athens erklären sich solidarisch. Auch in Sparta bleiben die Betten kalt. Dass diese Liebesverweigerung auch für die Frauen ein großes Opfer darstellt, bleibt nicht verborgen. So sind die Dialoge voller anatomischer Anspielungen.

Das Besondere an dieser Komödie ist allerdings der Witz des Stücks, der nicht – wie damals üblich – auf die Kosten der Frauen geht. Denn in der Männergesellschaft des antiken Athens haben die Frauen lediglich den Haushalt zu führen und Söhne für den Krieg zu gebären. Mit Lysistrata betritt eine selbstbewusste, intelligente Frau die Bühne, die den Männern Vernunft, also Frieden, beibringt, obwohl diese vor lauter Liebesbedürftigkeit schon gar nicht mehr vernünftig denken können.

(Anja Dittrich, 2003)

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